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Deutschland schlägt 13 weitere Stoffe für eine Stoffbewertung 2016-2018 vor

Mit der Veröffentlichung des Entwurfs für den gemeinsamen Aktionsplan der Mitgliedsstaaten zur Stoffbewertung (CoRAP) können die verantwortlichen Unternehmen (Hersteller, Importeure oder Verwender) sehen, ob ein Stoff für eine behördliche Bewertung vorgesehen ist. Das Umweltbundesamt nominiert vorwiegend Stoffe, für die Hinweise auf Umweltrisiken vorliegen. Bestätigt die Stoffbewertung diesen Verdacht, folgt ein Vorschlag als besonders besorgniserregender Stoff (Substance of very high concern, SVHC), eine Zulassungspflicht oder Beschränkungen. Mit der Veröffentlichung des CoRAP erhalten die Hersteller die Gelegenheit, mit den Bewertungsbehörden in Dialog zu treten und den Besorgnisgründen nachzugehen, z.B. durch ergänzende Studien oder Maßnahmen zur Minimierung der Umweltemissionen. Die gesetzliche Regulierung ist nur der letzte Schritt auf dem Weg zur Minderung der Risiken für Mensch und Umwelt.

Aus Umweltsicht besonders besorgniserregende sind Stoffe mit PBT-Eigenschaften oder Endokrine Disruptoren. Für den Menschen besonders besorgniserregend sind SVHC mit kanzerogenen, mutagenen oder reproduktionstoxischen Eigenschaften (CMR-Stoffe). Für die Bewertung der gefährlichen Eigenschaften existieren in der EU Regeln, die von den Mitgliedsstaaten in gleicher Weise angewendet werden.

Für 7 der 13 Stoffe, die Deutschland neu für den Aktionsplan vorschlägt, sind in der folgenden Tabelle die Namen, CAS- bzw. EC-Nummern, der Grund für die Aufnahme in den Aktionsplan (anfängliche Besorgnisgründe) und das Jahr genannt, in dem die Stoffbewertung unter Beteiligung des Umweltbundesamtes geplant ist. Das Umweltbundesamt hat, neben den PBT-Stoffen, ein besonderes Augenmerk auf endokrine Disruptoren (ED) in der Umwelt.

  • 4-tert-Butylphenol (CAS-Nr. 98-54-4):
    Dieser Stoff wird hauptsächlich als Monomer für die Herstellung von Polycarbonaten, Phenolharzen und Epoxidharzen verwendet. Es gibt Hinweise, das 4-tert-Butylphenol in der Umwelt als hormoneller Disruptor wirkt. Im Rahmen der Stoffbewertung soll geklärt werden, ob es sich bei 4-tert-Butylphenol um einen hormonellen Disruptor handelt und der Stoff somit als besonders besorgniserregend gemäß REACH anzusehen ist.

  • 4-tert-Pentylphenol:
    Auch für 4-tert-Pentylphenol gibt es Hinweise auf eine Wirkung als hormoneller Disruptor für die Umwelt. Der Stoff wird für die Herstellung von Phenolharzen und Lacken verwendet. Weiterhin gibt es Anwendungen in Wasch- und Reinigungsmitteln, oberflächenaktiven Substanzen und Farben. Die Stoffbewertung soll helfen, die hormonellen Eigenschaften von 4-tert-Pentylphenol zu bewerten und klären, ob es sich aufgrund dieser Eigenschaften um einen besonders besorgniserregenden Stoff gemäß REACH handelt.

  • Trigonox 29/Di-tert-butyl 3,3,5-trimethylcyclohexylidene diperoxide (CAS-Nr. 6731-36-8):
    Von Di-tert-butyl 3,3,5-trimethylcyclohexylidene diperoxide oder auch bekannt unter dem Namen Trigonox 29 werden jährlich mehr als 100 t in der Europäischen Union verwendet. Zum Einsatz kommt Trigoniox 29 unter anderem in Erzeugnissen aus dem alltäglichen Gebrauch, wie beispielsweise in Farben und Körperpflegeprodukten. Das Umweltbundesamt prüft nun, ob Trigonox 29 in der Umwelt abgebaut wird und ob Trigonox 29 toxisch für Organismen in der Umwelt ist und sich in diesen anreichert.

  • Irganox L118/Iso(C10-C14)alkyl (3,5-di-tert-butyl-4-hydroxyphenyl)methylthioacetat (CAS-Nr. 18832-72-7):
    Bei dem Stoff handelt es sich um eine sogenannten UVCB Substanz (Unknown or Variable Composition or Biological compound). Dieser Stoff wird u.a. für die Formulierung von Hydraulikflüssigkeiten, Metallbearbeitungsflüssigkeiten, Schmiermitteln oder Fetten verwendet. Für Irganox L118 liegen Hinweise auf Langlebigkeit (Persistenz P) in der Umwelt und die Eigenschaft zur Anreicherung in Organismen (Bioakkumulationspotenzial B) vor. Möglicherweise ist der Stoff auch giftig für die Organismen in der Umwelt (Toxisch T). Als potentieller PBT-Stoff prüft das UBA im Rahmen einer Stoffbewertung ob Irganox L118 die Kriterien des REACH Anhangs XIII für PBT-Stoffe erfüllt.

  • Dimethyldisulphid (CAS-Nr. 624-92-0):
    Dimethyldisulfid wird in Ölraffinerien als Sulfidierungsmittel und in der petrochemischen Industrie als Hilfsstoff beim Cracken eingesetzt. Weitere Verwendungsgebiete sind der Gebrauch als Laborchemikalie und als Ausgangsstoff für andere Chemikalien (Zwischenprodukt). Darüber hinaus soll er als neuer Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln eingesetzt werden. Dieser Einsatzbereich ist von der Stoffbewertung unter REACH jedoch ausgenommen. DMDS wurde unter dem Gesichtspunkt der klassischen Risikobewertung mit dem Fokus auf hohe Tonnagen in mehreren Verwendungsbereichen für die Stoffbewertung ausgesucht. Ziel ist die Prüfung, ob ein höheres Risiko als vom Registranten vorhergesagt von dem Stoff ausgeht.

Siehe auch: Stoffbewertungen unter REACH