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Umweltschädliches Flammschutzmittel HBCD darf weiter verwendet werden


HBCD in Dämmstoffen aus Polystyrol werden verboten
Quelle: Kara / Fotolia.com
Die Chemikalie Hexabromcyclododecan (HBCD) verzögert die Entflammbarkeit bei entzündlichen Materialien. Wegen seiner umweltschädlichen Eigenschaften steht HBCD allerdings schon seit Jahren im Fokus der Behörden. Um den weiteren Eintrag in die Umwelt zu verhindern, verbietet das Stockholmer Übereinkommen zu langlebigen organischen Schadstoffen die Verwendung von HBCD seit November 2014. Die chemische Industrie hat bereits eine marktreife Alternative zu HBCD entwickelt – dennoch nimmt die EU-Kommission eine Ausnahme des Abkommens in Anspruch und hat die weitere Verwendung von HBCD in Dämmmaterialien zugelassen.

HBCD wird überwiegend in Polystyrol-Dämmstoffen zur Gebäudedämmung verwendet. Auch eingesetzt wird der Stoff in Textil-Beschichtungen und in Kunststoffgehäusen von elektrischen und elektronischen Geräten (z.B. Stereoanlagen). HBCD sorgt im Falle eines Brandes dafür, dass sich der Brandherd langsamer entwickelt.

Doch HBCD ist umweltschädlich, weil der PBT-Stoff gleichzeitig langlebig (persistent) ist, sich in Organismen anreichert (bioakkumulierend) und fortpflanzungsschädigende Eigenschaften (toxisch) hat. HBCD wird mittlerweile häufig in der Umwelt nachgewiesen – auch in entlegenen Regionen.

Wegen dieser Eigenschaften hat die EU HBCD bereits 2008 in die Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe aufgenommen. Für diese Stoffe fordert die EU-Chemikalienverordnung REACH eine Zulassungspflicht. 2013 wurde der Stoff auch weltweit als langlebiger organischer Schadstoff (POP) nach dem Stockholmer Übereinkommen eingestuft. Seit November 2014 gilt weltweit ein Herstellungs- und Verwendungsverbot.

Eine Ausnahme davon nimmt die EU in Anspruch. In der EU regelt die REACH-Verordnung HBCD als zulassungspflichtigen Stoff, der seit dem 21. August 2015 nur noch in zugelassenen Verwendungen eingesetzt werden darf. Zuständig für die Entscheidung ist die europäische Kommission. Für die Verwendung als Flammschutzmittel in Dämmstoffen gibt es einen Ersatzstoff für HBCD, der nach wissenschaftlichen Erkenntnissen günstigere Umwelteigenschaften hat. Damit die Hersteller von Dämmstoffen ausreichend Zeit haben, HBCD zu ersetzen, hat die europäische Kommission die Verwendung von HBCD in Dämmmaterialien bis 21.08.2017 zugelassen. Eine enttäuschende Entscheidung für die Hersteller des Alternativstoffs, die ihre Produktionskapazitäten so ausgebaut haben, dass ein sofortiger Umstieg möglich wäre.

Mehr Infos zu HBCD, z.B. zur Entsorgung von behandeltem Polystyrol, finden sich in dem UBA Hintergrundpapier mit Fragen und Antworten zu HBCD. Die Zulassungen und weitere Informationen zu REACH sind auf der Seite der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) nachzulesen.

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