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Wissenschaftlicher Ausschuss unterstützt Vorschlag, die umweltgefährliche Perfluoroktansäure (PFOA) zu beschränken

Jahrelang wurde Perfluoroktansäure (PFOA) in der EU zur Herstellung des Kunststoffes PTFE (Polytetrafluorethylen) verwendet. PTFE wird als Textilmembranen und zur Beschichtung von Haushaltsgegenständen genutzt. Während die Europäischen und amerikanischen PTFE-Hersteller PFOA ersetzt haben, wird PTFE außerhalb der EU und USA noch immer mit PFOA produziert. Außerdem kann die Substanz in der Umwelt aus anderen Fluorchemikalien entstehen und findet sich als Verunreinigung in Gemischen, die z.B. für die Imprägnierung oder Beschichtung von Textilien und in bestimmten Feuerlöschschäumen verwendet werden.

Quelle: Éva Fetter/UBA

PFOA ist nicht abbaubar, reichert sich in Organismen an und ist giftig. Der Mensch nimmt PFOA und Vorläuferverbindungen hauptsächlich aus der Umwelt auf. Dort kommen sie nicht natürlich vor, sondern wurden jahrzehntelange verbreitet. Erst kürzlich fand Greenpeace weltweit Spuren von PFOA und anderen per- und polyfluorierten Chemikalien in entlegenen Gebieten fernab jeglicher industrieller Produktion ( https://youtu.be/C_YJEEBC_Hk ).

Deutschland und Norwegen schlugen der EU im Oktober 2014 eine gesetzliche Beschränkung für Perfluoroktansäure (PFOA), ihrer Salze und Vorläuferverbindungen nach der Chemikalienverordnung REACH vor. Der wissenschaftliche Ausschuss für Risikobewertung (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur ECHA hat diesen Vorschlag ausgiebig geprüft und stimmt ihm nun mit nur wenigen Abweichungen zu.

Der RAC weicht bei den Grenzwerten vom deutsch/norwegischen Vorschlag ab. Aus Sicht des Umweltbundesamtes könnten mit den vom RAC abgeleiteten Grenzwerten Verbraucherprodukte (wie z.B. Outdoorbekleidung) diese Schadstoffe noch immer enthalten, insbesondere wenn die Herstellung außerhalb der EU erfolgte.
Das Expertengremium erlaubt die Herstellung von kurzkettigen per- und polyfluorierten Chemikalien, die die Industrie Größtenteils als Alternativen für PFOA und Vorläuferverbindungen einsetzt. Bei deren Herstellung fallen PFOA und Vorläuferstoffe als Verunreinigungen an.
Außerdem empfiehlt der RAC, bestimmte Prozesse in der Halbleiterherstellung und der Fotoindustrie von der Regelung auszunehmen. Das Umweltbundesamt unterstützt die empfohlenen Ausnahmen des Expertengremiums.
http://echa.europa.eu/view-article/-/journal_content/title/rac-concludes-on-pfoa-restriction

Der ECHA Ausschuss für die sozioökonomische Bewertung (SEAC) erarbeitet ebenfalls eine Stellungnahme. Der Entwurf liegt bereits vor und kann bis 16.11.2015 kommentiert werden: ( http://echa.europa.eu/restrictions-under-consideration/-/substance-rev/1908/term ). Wenn beide Ausschüsse im Dezember 2015 ihre Positionen veröffentlicht haben, ist die EU-Kommission an der Reihe. Sie muss die Beschränkung mit den Mitgliedstaaten abstimmen – voraussichtlich im Juni 2016.

Neben PFOA ist noch eine Vielzahl weiterer per- und polyfluorierter Chemikalien auf dem EU-Chemikalienmarkt. Deshalb bewerten die EU-Mitgliedstaaten weitere Stoffe dieser Gruppe. Perfluornonansäure (PFNA) wurde von Schweden als PBT-Stoff (persistent, bioakkumulierend und toxisch) bei der ECHA vorgeschlagen. Das UBA hat hier die Umweltbewertung zugearbeitet. Der Vorschlag kann noch bis 15.10.2015 kommentiert werden. Danach wird der Ausschuss der Mitgliedstaaten der ECHA über die PBT-Eigenschaften von PFNA entscheiden.
http://echa.europa.eu/addressing-chemicals-of-concern/authorisation/substances-of-very-high-concern-identification/-/substance-rev/10222/term

Der Ausschuss für Risikobewertung der ECHA bewertet gegenwärtig den schwedischen Einstufungsvorschlag für Perfluordecansäure (PFDA) als toxische Substanz für die Reproduktion (Repr. 1B) und als krebserregende Substanz (Carc 2).

Weitere Informationen:
Zu PFC:
http://www.reach-info.de/pfc.htm
http://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/chemikalien-reach/stoffgruppen/per-polyfluorierte-chemikalien-pfc

iPad-App PFC-Planet:
https://itunes.apple.com/de/app/id583898618?mt=8&affId=1860684