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Großbritannien schlägt der EU Beschränkung für Silikonverbindungen D4 und D5 vor

Die beiden cyclischen Silikonverbindungen D4 und D5 (chemisch Octamethylcyclotetrasiloxan und Decamethylcyclopentasiloxan) sind langlebige Chemikalien, die sich in Organismen anreichern. Diese Bewertung als vPvB (very persistent, very bioaccumulative) bestätigte kürzlich der Mitgliedstaatenausschuss der Europäischen Chemikalienagentur ECHA. Der Direktor der Agentur hatte den Ausschuss befragt, weil das Vereinigte Königreich (UK) vorschlägt, die Verwendung beider Stoffe EU-weit gesetzlich zu beschränken. Besonders D4 findet sich nämlich in verschiedenen Körperpflegeprodukten. Dort werden die Chemikalien nach der Internationalen Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe INCI als Cyclomethicone, Cyclotetrasiloxane (D4) oder Cyclopentasiloxane (D5) bezeichnet.

Wenn Chemikalien mit langlebigen, bioakkumulierenden und toxischen Eigenschaften (PBT-Stoffe) oder sehr langlebigen und sehr bioakkumulierenden Eigenschaften (vPvB-Stoffe) in die Umwelt eingetragen werden, kann dies zu irreparablen Schäden führen. Ein bekanntes Beispiel dafür sind langlebige Dioxine, die in die Nahrungsketten eingetragen werden, sich dort anreichern und hochgiftig sind. Daher definiert die EU-Chemikalienverordnung REACH PBT und vPvB-Stoffe als besonders besorgniserregend und fordert den Ersatz durch Stoffe mit günstigeren Eigenschaften. Hersteller müssen sicherstellen, dass PBT und vPvB-Stoffe nicht in die Umwelt gelangen. Bei Körperpflegemitteln lässt sich das aber nicht ausschließen. Das ist die Grundlage der britischen Initiative für D4 und D5.

Nun liegt der Vorschlag dem Wissenschaftlichen Ausschuss der Agentur vor. Der Ausschuss beurteilt, ob die Beschränkung angemessen und geeignet ist, das Risiko für die Umwelt zu minimieren. Der zweite Wissenschaftliche Ausschuss der ECHA, der Ausschuss für die Sozio-ökonomische Analyse muss beurteilen, ob die englischen Behörden die Verfügbarkeit von Alternativen und die sozio-ökonomischen Auswirkungen ausreichend berücksichtigt haben. Die Stellungnahmen beider Ausschüsse müssen Anfang 2016 vorliegen.
 
D4 und D5 werden übrigens nicht nur in Körperpflegeprodukten eingesetzt. Sie sind wichtige Ausgangsstoffe für bestimmte Silikonkunststoffe und können als Rückstände in den fertigen Erzeugnissen enthalten sein. Wegen der besonders besorgniserregenden Eigenschaften hält das Umweltbundesamt (UBA) eine Aufnahme von D4 und D5 in die REACH-Kandidatenliste für sinnvoll. Denn die Aufnahme in die Kandidatenliste ist ein klares Signal, einen Stoff zu ersetzten und löst für Hersteller, Importeure und Handel bestimmte Informationspflichten aus, die auch Verbraucherinnen und Verbrauchen nutzen können.