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Trichlorbenzene

Trichlorbenzene verbleiben lange in der Umwelt, reichern sich in Lebewesen an und sind giftig. Mit Luftströmungen werden sie weltweit in der Atmosphäre verteilt. Wenn sie freigesetzt werden, gelangen die Trichlorbenzene auch in weit abgelegene Regionen, z.B. in die Arktis, und können sich dort in der Natur anreichern, weil sie nur schwer abbaubar sind. Trichlorbenzene sind sehr giftig für Wasserlebewesen. Aufgrund ihrer schädlichen Wirkung auf die Umwelt wurden sie als prioritäre Substanzen in die Wasserrahmenrichtlinie aufgenommen. Auf diesem Weg soll die Belastung der Gewässer mit Trichlorbenzenen reduziert werden, um eine gute Wasserqualität auch für nachfolgende Generationen zu garantieren. Wegen ihrer kritischen Eigenschaften wurden die Trichlorbenzene vom Umweltbundesamt als besonders besorgniserregende Stoffe vorgeschlagen.

Die Trichlorbenzene gehören zu den chlororganischen Verbindungen. Man unterscheidet die drei isomeren Verbindungen 1,2,4-, 1,2,3- und 1,3,5-Trichlorbenzen, die durch die folgenden Strukturformeln dargestellt sind:


In Europa werden sie hauptsächlich als Zwischenprodukte zur Herstellung von komplexeren Chemikalien und als Prozesslösemittel in geschlossenen industriellen Anlagen verwendet. Bei diesen Verwendungen gelangen in der Regel nur sehr geringe bzw. keine Trichlorbenzen-Mengen in die Umwelt. Trichlorbenzene können jedoch weiterhin durch importierte Textilien in die Umwelt gelangen, da sie außerhalb Europas noch als Farbstoffträger für Textilien verwendet werden.

1,2,4- und 1,2,3-Trichlorbenzen wurden bereits unter der EG-Altstoffverordnung von der europäischen PBT-Arbeitsgruppe1 untersucht. Die Experten aus Behörden und Industrie bewerteten 1,2,4-Trichlorbenzen damals als persistent und bioakkumulierend. Obwohl das Kriterium für die Ökotoxizität knapp verfehlt wurde, bewertete die Arbeitsgruppe 1,2,4-Trichlorbenzen aufgrund seines hohen Ferntransportpotentials als umweltgefährdenden PBT-Stoff. Für 1,2,3-Trichlorbenzen waren weniger Daten vorhanden; die physikalisch-chemischen Eigenschaften des Stoffes zeigen jedoch eine sehr starke Ähnlichkeit zu 1,2,4-Trichlorbenzen. Aus diesem Grund wurde 1,2,3-Trichlorbenzen in einem sogenannten read-across-Ansatz2 ebenfalls als PBT-Stoff bewertet.

Um die Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe in das neue Chemikalienrecht REACH zu überführen, bereitete das UBA Annex XV-Dossiers für die Trichlorbenzene vor. Grundlage für die Bewertung waren die Ergebnisse der europäischen PBT-Expertengruppe. Aufgrund seiner Ähnlichkeit zu 1,2,4-Trichlorbenzen und 1,2,3-Trichlorbenzen wurde zudem 1,3,5-Trichlorbenzen in einem read-across-Ansatz bewertet.

Da die Trichlorbenzene zwar PBT-Eigenschaften haben, aber die PBT/vPvB-Kriterien des 2010 gültigen Anhang XIII der REACH-Verordnung nicht erfüllen, begründete das UBA den Vorschlag mit den „gleichermaßen besorgniserregenden, PBT-ähnlichen Eigenschaften“ der Trichlorbenzene. Dies erlaubt der Artikel 57(f) der REACH-Verordnung. In der öffentlichen Kommentierungsphase kritisierten die Europäische Chemikalienbehörde ECHA und einige Mitgliedsstaaten die Dossiers. Dabei ging es in erster Linie um die Frage, ob die Trichlorbenzene als „gleichermaßen besorgniserregend“ aufzufassen sind sowie um das Bioakkumulationspotential der Trichlorbenzene. Trotz einer umfangreichen Überarbeitung der Dossiers entschied sich das Komitee der Mitgliedsstaaten (MSC) gegen eine Aufnahme in die Kandidatenliste.

Entscheidend für die Ablehnung waren fachliche Details – so entspricht z.B. die im REACH-Leitfaden empfohlene Vorgehensweise nicht immer den Bewertungsrichtlinien der ehemaligen europäischen PBT-Expertengruppe. Um derartige Unstimmigkeiten in Zukunft zu vermeiden, möchte das UBA bereits vor dem Einreichen weiterer Dossiers die fachliche Diskussion mit anderen Mitgliedsstaaten initiieren.

Das UBA ist dennoch der Ansicht, dass Stoffe wie die Trichlorbenzene nicht in die Umwelt gehören. Bei der Umsetzung der REACH-Verordnung ist es eine wichtige Aufgabe des Umweltbundesamtes, aus ökologischer Sicht besonders besorgniserregende Stoffe zu identifizieren und Maßnahmen zur Verringerung des Risikos vorzuschlagen. Diese Aufgabe wird das UBA auch künftig sehr ernst nehmen und prioritär weiterverfolgen. Zur Problematik von Stoffen, die wie die Trichlorbenzene ein hohes Ferntransportpotential aufweisen, hat das UBA ein Forschungsprojekt durchgeführt:
Advancements of Concepts for Identification of Substances of Very High Concern (SVHC) in Terms of the REACH Regulation

1 PBT-Stoffe sind Chemikalien, welche persistent, bioakkumulierend und toxisch sind.
2 Methode zum Füllen von Datenlücken. Dabei wird eine Chemikalie, für die nur wenige Daten vorhanden sind, aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit einer anderen, besser charakterisierten Chemikalie bewertet.