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Erste Zulassung unter REACH beschlossen

Der Weichmacher Bis (2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) wurde am 28.10.2008 aufgrund seiner fortpflanzungsschädigenden
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Eigenschaften in die REACH Kandidatenliste aufgenommen und später auch in die Liste der zulassungspflichtigen Stoffe (REACH Anhang XIV). Ab 21.02.2015 darf DEHP innerhalb der EU nicht mehr ohne Zulassung verwendet werden.

Die Firma Rolls-Royce reichte am 20.5.2013 einen Zulassungsantrag für eine spezielle industrielle Verwendung von DEHP ein: es wird in relativ geringen Mengen (< 1 t/a) beim Herstellungsprozess von Triebwerksschaufeln für Flugzeugtriebwerke eingesetzt. Das DEHP wird weitgehend beim Herstellungsprozess zerstört. Alternative Stoffe sind noch in der Testphase, daher wurde eine Zulassung gewährt, die nach sieben Jahren überprüft wird.

Gemäß REACH Artikel 62 (3) können Anträge für die eigene(n) Verwendung(en) gestellt werden oder für Verwendungen, für die der Antragsteller einen Stoff in Verkehr bringen will. Im vorliegenden Fall gilt die Zulassung der Verwendung nur für den Antragsteller Rolls Royce.


Zum Hintergrund

Der Weichmacher Bis (2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) ist aufgrund seiner nachgewiesenen fortpflanzungsschädigenden Eigenschaften als reproduktionstoxisch für Menschen Kategorie 1B eingestuft. Aufgrund dieser Eigenschaft ist DEHP auf Vorschlag von Schweden seit dem 28.10.2008 nach Artikel 57 (c) der REACH Verordnung als Substanz mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften in der REACH Kandidatenliste gelistet. Als nächster Schritt erfolgte im Februar 2011 die Aufnahme von DEHP in die Liste der zulassungspflichtigen Stoffe (REACH Anhang XIV).

Ab 21.02.2015 darf DEHP daher innerhalb der EU nicht mehr ohne Zulassung der EU Kommission verwendet werden. Die Firma Rolls-Royce reichte am 20.5.2013 einen Zulassungsantrag für eine spezielle industrielle Verwendung von DEHP ein: es wird in relativ geringen Mengen (ca. 5 Gewichtsprozent) in Kunststoffformulierungen beim Herstellungsprozess von Triebwerksschaufeln für Flugzeuge eingesetzt. Das DEHP wird dabei weitgehend beim Herstellungsprozess thermisch zerstört und die Gesamtmenge an eingesetztem DEHP liegt bei knapp unter einer Tonne pro Jahr.
In seiner Stellungnahme kommt der Ausschuss für Risikobewertung (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) zu dem Schluss, dass für DEHP ein sicherer Grenzwert (DNEL) für den Schutz von Arbeitern abgeleitet werden kann und die vom Registranten vorgeschlagenen Arbeitsschutzmaßnahmen ausreichen, um das Risiko angemessen zu kontrollieren. Aufgrund der Anwendung im geschlossenen System und der Zersetzung des DEHP während der Herstellung der Triebwerksschaufeln bewertet der RAC den Eintrag in die Umwelt der Chemikalie als vernachlässigbar. Monitoringdaten des Registranten zeigen ergänzend, dass an einer Produktionsanlage von Rolls Royce keine Emissionen von DEHP über Abwasser und Abgase nachweisbar sind.

Der Ausschuss für die sozioökonomische Bewertung (SEAC) der ECHA begründet seine Befürwortung der Zulassung mit dem Fehlen von geeigneten Alternativstoffen. Der Registrant testet aktuell noch zwei Stoffe als Substitute für DEHP mit geringerem Gefahrenpotenzial. Der SEAC schlägt deshalb bis zum Vorliegen dieser Daten eine Übergangsfrist für die Verwendung von DEHP von sieben Jahren vor.

Das Umweltbundesamt (UBA) erwartet aufgrund der geringen Anwendungsmenge und der weitgehenden Zerstörung des DEHP im Herstellungsprozess keine diffusen und/oder weit verbreiteten Einträge von DEHP aus dieser Verwendung in die Umwelt. Aus Sicht des UBA ist DEHP aus dieser Verwendung daher nicht umweltrelevant, auch wenn der Stoff aufgrund seiner intrinsischen Eigenschaften einen Verdachtsstoff für endokrine Wirkungen in der Umwelt darstellt. Die Überprüfung der erteilten Zulassung nach sieben Jahren erscheint aufgrund der bereits laufenden Tests zu den Ersatzstoffen und den besonderen Sicherheitsbestimmungen in der Luftfahrtbranche als gerechtfertigt.